Herzlich Willkommen bei Initiativplattform der Türkischen Vereine und Verbände Hessen!

PRESSEMITTEILUNGEN


Frankfurt/M den, 18. Juni 2019

Presseerklärung

Aufruf für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland – Gegen politisch konstruierte kollektive Feindbilder! Die Pohlheimer Stadtverordnetenversammlung hat im Herbst des Jahres 2017 über die Errichtung eines Mahndenkmals für die tragischen Ereignisse während des 1. Weltkrieges im Jahr 1915 im Osmanischen Reich entschieden, wobei diese Ereignisse als „Völkermord an Christen“ bezeichnet werden. Wir, die Initiativplattform der Türkischen Vereine und Verbände in Hessen, lehnen diese politisch konnotierte Bezeichnung sowie die Fehlentscheidung der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Pohlheim energisch ab und bedauern sie zudem zutiefst. Wir als Initiativplattform der Türkischen Vereine und Verbände in Hessen, in der sich über 20 verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen zusammengefunden haben, hatten in der Vergangenheit, adressiert an den Bürgermeister der Stadt Pohlheim, die Stadtverordnetenversammlung und ihre Mitglieder, Briefe formuliert und die Sorgen und Irritation der in Hessen beheimateten türkischstämmigen Bürgerinnen und Bürger – nach jüngsten Schätzungen mittlerweile über 350.000 – zum Ausdruck gebracht. Mit dieser Fehlentscheidung schreibt sich die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Pohlheim Kompetenzen zu, die sachlich nur historischen und juristischen Institutionen zukommen. Dabei wird die Geschichte der tragischen Ereignisse politisch sehr einseitig und unter Ausblendung des historischen Zusammenhangs interpretiert. Eine autoritative Deutung als „Völkermord an Christen“ stellt auch Muslime aus der Türkei hier an den Pranger. Ob es sich um Bundes-, Landes- oder Stadtparlamente handelt – sie haben in erster Linie die Aufgabe, die Grundsicherung und Grundfreiheiten aller Bürgerinnen und Bürger im Lande in den Bereichen wie Gesundheit, Bildung, innere und soziale Sicherheit, bezahlbare Wohnung sowie humane Beschäftigungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Ein wesentlicher politischer Auftrag von Parlamenten ist zudem, für den gemeinsamen Frieden zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe, Alter, Geschlecht oder sexueller Orientierung Sorge zu tragen. Die Konsequenzen dieser Art von Fehlentscheidungen und Kompetenzüberschreitungen haben eine weitreichende und nachhaltige negative Auswirkung auf das gemeinsame friedliche Zusammenleben in Deutschland. Anstatt für die Versöhnung zwischen Nationen, Kulturen, Religionen und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen einen Beitrag zu leisten, werden im Gegenteil gegenseitiges Misstrauen, Hetze, Hass oder Schuldzuweisungen erzeugt. Welche Auswirkungen der Hass und das Fehlen eines Dialoges im 21. Jahrhundert haben, wurde uns kürzlich nochmals durch die bestürzenden Terroranschläge gegen Muslime in Neuseeland, gegen Christen in Sri Lanka und gegen Juden in den USA vor Augen geführt. Eine pauschale Deutung als „Völkermord an Christen“ gießt Öl ins Feuer einer anti-muslimischen Stimmung und reißt neue Gräben auf. Das bedroht die Ergebnisse unserer jahrelangen Bemühungen um gegenseitiges Verstehen massiv. Angesichts dieser Entwicklungen und dem Aufkommen von Rechtspopulismus, politischem Extremismus und religiösem Fundamentalismus ist es wichtiger denn je, für unsere gemeinsamen Werte einzustehen. Durch solche Fehlentscheidungen werden Millionen von türkischstämmigen Mitmenschen hierzulande erneut ausgegrenzt und stigmatisiert. Wir dürfen nicht zulassen, dass im aktuellen politischen Klima zusätzlich neue Feindbilder entstehen oder alte verfestigt werden. Ein unentbehrlicher Teil der gemeinsamen gesellschaftspolitischen Agenda muss daher darin bestehen, zu gewährleisten, dass Kulturen und Religionen in Versöhnung und Frieden statt in Ablehnung und Zwietracht miteinander leben. Aus diesem Grund erwarten wir von der Stadt Pohlheim die Entscheidung zur Errichtung des Mahndenkmals zurückzuziehen. Wir appellieren dringend an alle Bürgerinnen und Bürger und an die Verantwortung insbesondere der politischen Mandatsträger, die nachhaltigen Wirkungen solch einer Fehlentscheidung und Kompetenzüberschreitung zu reflektieren. Denn es ist schwer, stabile Brücken zu bauen, sie zu sprengen ist leicht!
Atila Karabörklü
Sprecher der Initiativplattform

Frankfurt/M den, 23.10.2019

Presseerklärung

Die Initiativplattform der Türkischen Vereine und Verbände Hessen ist sehr besorgt über den einseitig geführten medialen Diskurs bezüglich des Salutierens einiger türkischer Fußballspieler. Dieser Diskurs wird geführt, ohne die kulturhistorischen und gesellschaftspolitischen Hintergründe der türkischen Gesellschaft zu beleuchten und zu berücksichtigen.

Die weit überwiegende Mehrheit der Türkeistämmigen in Deutschland, einschließlich der auch hier Geborenen, empfinden neben der Verbundenheit zu Deutschland, aufgrund ihrer familiären Verwurzelung und kulturellen Prägung, nach wie vor eine enge Bindung an die Heimat Türkei.

Viele der türkischstämmigen Menschen integrieren beide Identitäten in ihre eigene Persönlichkeit, so dass die beiden Identitäten in keinem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen. Darüberhinaus bezieht sich das politische Interesse der Türkeistämmigen gleichermaßen auf beide Länder. Dabei ist ein hohes Interesse an türkischer Politik auch mit einem hohen Interesse an deutscher Politik verbunden.

Als HTDIP möchten wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass auch bei anderen Minderheitengruppen in Deutschland wie z.B. bei Russen, Italienern, Kroaten oder Griechen etc., es im Ausland staatstragende Haltungen gegenüber dem Herkunftsstaat gibt, was auch bei den Türkeistämmigen ebenfalls stark ausgeprägt ist.

Der angesichts der aktuellen politischen Ereignisse überzogen geführte Diskurs über das Salutieren im Sport, führt deshalb zu enormen Missverständnissen und Irritationen in der Einwanderungsgesellschaft, die unser Zusammenleben in Hessen aktuell sehr belasten.

Wir bedauern, dass die Fußballmannschaft Türkspor Offenbach der Kreisliga Offenbach starken Reaktionen seitens der Öffentlichkeit ausgesetzt war, weil einige Fußballspieler salutiert haben. Wir hoffen, dass der Fußballmannschaft dafür keine Auflagen drohen.

Wir als HTDIP fordern auf zum Dialog zwischen den deutschen und türkischen Fußballclubs in Hessen und dem Hessischen Fußballverband, um so die unterschiedlichen Sichtweisen klar zu kommunizieren und Missverständnisse auszuräumen. In diesem Zusammenhang bieten wir als HTDIP unsere Bereitschaft an, bei diesem möglichen Dialog konstruktiv mitzuwirken. Dialog und gegenseitiges Verständnis sind die wichtigsten Schritte, um ein friedliches Miteinander nachhaltig zu gestalten.

Atila Karabörklü

Sprecher der Initiativplattform

PRESSE 


Giesener Allgemeine

Türkische Gruppen demonstrieren gegen Mahnmal in Pohlheim

Giessener Anzeiger

Pohlheim: Ereignisse den Historikern überlassen

hr4.de

Pohlheim: Umstrittenes Völkermord-Denkmal eingeweiht.