Die Initiativplattform der Türkischen Vereine und Verbände Hessen ist sehr besorgt über den einseitig geführten medialen Diskurs bezüglich des Salutierens einiger türkischer Fußballspieler. Dieser Diskurs wird geführt, ohne die kulturhistorischen und gesellschaftspolitischen Hintergründe der türkischen Gesellschaft zu beleuchten und zu berücksichtigen.

Die weit überwiegende Mehrheit der Türkeistämmigen in Deutschland, einschließlich der auch hier Geborenen, empfinden neben der Verbundenheit zu Deutschland, aufgrund ihrer familiären Verwurzelung und kulturellen Prägung, nach wie vor eine enge Bindung an die Heimat Türkei.

Viele der türkischstämmigen Menschen integrieren beide Identitäten in ihre eigene Persönlichkeit, so dass die beiden Identitäten in keinem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen. Darüberhinaus bezieht sich das politische Interesse der Türkeistämmigen gleichermaßen auf beide Länder. Dabei ist ein hohes Interesse an türkischer Politik auch mit einem hohen Interesse an deutscher Politik verbunden.

Als HTDIP möchten wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass auch bei anderen Minderheitengruppen in Deutschland wie z.B. bei Russen, Italienern, Kroaten oder Griechen etc., es im Ausland staatstragende Haltungen gegenüber dem Herkunftsstaat gibt, was auch bei den Türkeistämmigen ebenfalls stark ausgeprägt ist.

Der angesichts der aktuellen politischen Ereignisse überzogen geführte Diskurs über das Salutieren im Sport, führt deshalb zu enormen Missverständnissen und Irritationen in der Einwanderungsgesellschaft, die unser Zusammenleben in Hessen aktuell sehr belasten.

Wir bedauern, dass die Fußballmannschaft Türkspor Offenbach der Kreisliga Offenbach starken Reaktionen seitens der Öffentlichkeit ausgesetzt war, weil einige Fußballspieler salutiert haben. Wir hoffen, dass der Fußballmannschaft dafür keine Auflagen drohen.

Wir als HTDIP fordern auf zum Dialog zwischen den deutschen und türkischen Fußballclubs in Hessen und dem Hessischen Fußballverband, um so die unterschiedlichen Sichtweisen klar zu kommunizieren und Missverständnisse auszuräumen. In diesem Zusammenhang bieten wir als HTDIP unsere Bereitschaft an, bei diesem möglichen Dialog konstruktiv mitzuwirken. Dialog und gegenseitiges Verständnis sind die wichtigsten Schritte, um ein friedliches Miteinander nachhaltig zu gestalten.

Atila Karabörklü

Sprecher der Initiativplattform